5003/21 Digitaler Fachtag

„§ 37 c SGB VIII Rückführung: Sparmodell, Haltungsfrage oder Verpflichtung der Jugendhilfe?“

am 28.10.2021 von 9.00-16.00 Uhr

Bitte senden Sie das beigefügte vollständig ausgefüllte Anmeldeformular mit der Veranstaltungsnummer 5003/21 bis 26.09.2021

an info@sfbb.berlin-brandenburg.de

Kreuzen Sie bitte Ihren Erst- und Zweitwunsch für den Workshop an.

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"Ich stimme der Datenschutzerklärung zu."

Die Teilnahme ist kostenfrei.

 

Inhalt

Obwohl das Thema Rückführung/Rückkehr seit Jahrzehnten zum fachlichen Selbstverständnis der Jugendamts- und Trägerarbeit gehört und auch fester Bestandteil von Konzepten stationärer Einrichtungen ist, kommt es in der Praxis eher selten zu gelungenen Rückführungen in die Herkunftsfamilie. Die Gründe hierfür sind vielfältig, wobei nicht immer die Bedingungen in der Herkunftsfamilie den Ausschlag zu geben scheinen.

Im Rahmen des Fachtages wollen wir uns hier einen ersten Überblick verschaffen: Was zeichnet gelungene Rückführungen aus? Welche Faktoren wirken günstig? Gibt es Hemmnisse – und kann man ihnen wirksam begegnen? Wie erleben wir Rückführungsarbeit in unseren Arbeitsbezügen? Was sagt die Forschung?

Im Verlauf des digitalen Fachtages wird sich für die Teilnehmenden abzeichnen, wie und auf welchen Ebenen das Thema Rückführung fachlich weiterentwickelt werden kann und sollte: Das können u.a. Standards für Rückführungsarbeit, Konzeptideen oder fachpolitische Impulse sein.

Dieser Fachtag bildet damit den Auftakt für eine längerfristige (Weiter-)Entwicklung des Themas.

Ablauf

09.00-09.30

Begrüßung und Organisatorisches (Moderation: J. Kleinke, SFBB)

09.30-10.30

Input und Diskussion:

„Spannungsfeld Rückführung-empirische Erkenntnisse und praktische Konsequenzen auch im Rahmen des KJSG“ (Andrea Dittmann)

10.30-10.45

Pause

10.45-11.45

Input und Diskussion:

„Rückführung geht doch meistens nicht! Ist das so?!?“

Der Versuch der Rückführung aus stationärer Unterbringung birgt Risiken und Chancen und ist anstrengend. Was schreibt uns das KJSG in unser Handlungsbuch? Was ist dabei auch so schwierig? Was braucht es? Und wann geht es auch nicht? (Delia Kraemer)

11.45-12.00

"Leben in zwei Welten"- Beteiligung von Kindern im Rahmen von Rückkehr  (Prof. Dr. R. Rätz, S. Rüge, ASH)

12.00-13.00

Pause

13.00-13.30

Einführung in die Workshops

13.30-14.30

Workshopsphase

  • WS 1: „Rückkehr oder nicht? - Beachtenswerte Dimensionen und Arbeitshilfen im Abwägungsprozess" (A. Dittmann)
  • WS 2: „Womit können wir verhindern, dass Rückführung gelingt? - Welche Haltung, Konzepte, Kooperationen, erste Schritte braucht es dagegen für den Erfolg in Rückführungsprozessen?“ (D. Kraemer)
  • WS 3: "Kinder und Jugendliche in den Hilfen zur Erziehung und in Rückführungsprozessen wahrnehmen und beteiligen" (Prof. Dr. R. Rätz, S. Rüge, ASH)
  • WS 4: „Rückkehr geht (fast) immer“ Vorstellung des Modellprojekts des Jugendamtes Lichtenberg“ (M. Lefèvre, C. von Prondzinsky, JA Lichtenberg)
  • WS 5: Best Practice  – 15 Jahre Begleitung von Rückführungsprozessen in Berlin“ (D. Emmeringer, Compass)
  • WS 6: Rückführung – „Alle in einem Boot“- Kooperation mit dem Familiengericht“ (A.Möbius, Compass)

14.30-14.45

Pause

14.45-15.45

Plenum

Erfolgsfaktoren und Hemmnisse von Rückführungen

15.45-16.00

Abschluss

Workshop 1: „Rückkehr oder nicht? - Beachtenswerte Dimensionen und Arbeitshilfen im Abwägungsprozess" (A. Dittmann)

Sie nehmen mit Andrea Dittmann auf Grundlage ihrer intensiven Forschungsarbeit zum Thema Rückführung die Phase der Entscheidung in den Fokus, ob und wie eine Rückkehr des Kindes in die Familie möglich sein kann, welche Dimensionen es zu bedenken gibt und was diesen Abwägungsprozess unterstützen kann.

Workshop 2: „Womit können wir verhindern, dass Rückführung gelingt? - Welche Haltung, Konzepte, Kooperationen, erste Schritte braucht es dagegen für den Erfolg in Rückführungsprozessen?“ (D. Kraemer)

Braucht es ein Dorf oder was braucht es, um Rückführungsprozesse zu öffnen und Erfolg zu haben.

Oder wie können wir Rückführung gut verhindern? Was braucht es an veränderter Haltung und konzeptionellen Überlegungen? Welche ersten Schritte sind erforderlich? Wen brauchen wir im Boot?

Mit Delia Kraemer, die seit Jahren bundesweit konzeptionell zum Thema Rückführung arbeitet, beschäftigen Sie sich mit Fragen zur Haltung bei Rückführungsprozessen und entwickeln konkrete Umsetzungsmöglichkeiten.

Workshop 3:Kinder und Jugendliche in den Hilfen zur Erziehung und in Rückführungsprozessen wahrnehmen und beteiligen" (Prof. Dr. R. Rätz, S. Rüge, ASH)

Zunächst wollen wir auf der Grundlage der Ergebnisse des Forschungsprojektes "Leben in zwei Welten" (2019) den Ist-Stand zur Perspektive von Kindern in und nach Rückführungsprozessen darlegen und argumentieren, dass auch das mit dem KJSG reformierte SGB VIII und die UN-KRK bestärken, dass Kinder und Jugendliche wahrgenommen, angehört und beteiligt werden müssen. Wir werfen einen Blick auf Kindheit(en), auf das Erwachsenen-Kind-Verhältnis, die generationale Ordnung, auf normative Ansichten zu "guten Kindheiten" und schließlich auf das Kind als realitätsverarbeitendes handelndes Subjekt und als Akteur der eigenen Entwicklung. Anschließend werden wir einen Ausblick geben, wie Kinder beteiligt werden können, indem ihnen vor allem zugehört und intensiv mit Kindern ins Gespräch gegangen wird. Hierzu geben wir Anregungen zu einer kindgerechten Gesprächsführung und Beteiligung. Es geht darum, die Lebenswelt(en) der Kinder und Jugendlichen zu verstehen und ihre Perspektiven nachzuvollziehen und anzuerkennen, um den Hilfebedarf den Bedürfnissen der Kinder und Jugendlichen anzupassen. Anschließend an den Kurz-Input wollen wir mit Ihnen zu diesem Thema diskutieren.

Workshop 4:Rückkehr geht (fast) immer“ (M. Lefèvre, C. von Prondzinsky, JA Lichtenberg)

Im Modellprojekt des Jugendamtes Lichtenberg von Berlin wurde eine bestimmte Arbeitsweise erprobt, die dazu führt, dass Eltern, deren Kinder fremduntergebracht sind, wieder mit ihren Kindern zusammenleben können.

Bei allen Familien, die bisher im Projekt betreut wurden, begründete das kindeswohlgefährdende Erziehungsverhalten der Eltern die Unterbringung ihrer Kinder. Deshalb kann eine Rückkehr nur unter der Bedingung von Veränderung im Erziehungsverhalten der Eltern erfolgen. 

Wie wir dabei vorgehen, dass Eltern Veränderungen in ihrer Erziehung vornehmen können, möchten wir Ihnen gerne in diesem Workshop anhand folgender Inhalte vorstellen:

  1. Wie arbeiten wir (Rahmenbedingungen)?
  2. Welche Faktoren beeinflussen Aktivität der Eltern?
  3. Wie gelangen wir in eine Kooperation mit Eltern, die scheinbar nicht wollen oder scheinbar nicht können?

Die Mitarbeiterinnen des Projektes, Frau von Prondzinsky und Frau Lefèvre, werden Ihnen auch mit Beispielen aus der Praxis einen Einblick in ihre Arbeit geben können und freuen sich auf einen Austausch mit Ihnen.

WORKSHOP 5:Best Practice  – 15 Jahre Begleitung von Rückführungsprozessen in Berlin“ (D. Emmeringer, Geschäftsführer, Compass psychosoziale Praxis gGmbH)

Ausgehend von über 200 begleiteten Rückführungen in Berlin geben wir Ihnen einen Einblick in die Ergebnisse, Erkenntnisse und Erfahrungen im Rahmen der praktischen Arbeit in den Erziehungshilfen. Was zeichnet gelungene Rückführungen aus? Welche Faktoren wirken sich positiv auf die Prozesse der Rückführung aus? Hierbei richten wir den Blick auf die Voraussetzungen des Gelingens von Rückführungsprozessen bezüglich fachlicher, personeller und finanzieller Bedingungen.

Workshop 6: „Rückführung – „Alle in einem Boot“ (A. Möbius, Compass psychosoziale Praxis gGmbH)

Ein wesentlicher Erfolgsfaktor in der Perspektivklärung und/oder Rückführung ist die gelingende Zusammenarbeit aller Beteiligten im Hilfeprozess. Jeder in seiner Profession, alle gemeinsam im Interesse der Familie. Ein häufiger Kooperationspartner sind Familiengerichte – entscheiden diese zukünftig über die Rückführung und/oder Lebensperspektive oder nehmen Sozialarbeiter*innen ihre Rolle als Beteiligte in Familiengerichtliche Verfahren aktiv wahr? Was gibt es schon, was braucht es noch, in der Kooperation mit Familiengerichten. Diese Fragen möchten wir gemeinsam erörtern.

Anlagen